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Wer nur an „Fakten, Fakten, Fakten“ interessiert ist, greife
sich bitte ein Lexikon oder ein ähnliches Nachschlagewerk.
Wer jedoch bereit ist, einen etwas ausführlicheren Streifzug
durch die Geschichte unserer Stadt zu machen, ist hier
goldrichtig. In unregelmäßigen Abständen ergänzen wir diesen
Teil um das eine oder andere Kapitel.
Bremen behauptet zwischen den beiden
Hanse-Schwestern das:
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Medium tenuere beati. Sie ist weniger lebhaft als Hamburg
und weniger stille als Lübeck, weniger Reichtum bei
Einzelnen, aber desto allgemeiner Wohlstand, weniger große
Spekulationen, aber desto solidere, weniger Luxus, aber
darum kein Mangel an dem, was zu den Comforts gerechnet
wird. Die Bremer sind schlichte, unverdorbene alte Deutsche,
aber man muss sie kennen.
Carl Julius Weber:
Deutschland oder Briefe eines in Deutschland
reisenden Deutschen.
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Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Freien Hansestadt
Bremen, dass sie von Fremden, die niemals dort gewesen sind,
gern ein bisschen über die Schulter angesehen wird. Du
lieber Himmel, Bremen! Was ist das schon? Eine Großstadt,
gewiss, doch mit kleinstädtischem Gehabe. Dorf mit
Straßenbahn, wie es ein Spötter formulierte, und der
Hamburger Dirks Paulun, humorvoller Betrachter des
Weltgeschehens, stellte mit der in seiner Heimatstadt
gegenüber Bremen gern geübten Arroganz die Frage: „Sie sind
doch aus Brehm, sahng Se mah ehm, kamma da lehm ?“ Er
bediente sich dabei des in den Großstädten der norddeutschen
Region geübten Missingsch, einer mit hoch– und
plattdeutschen Sprachelementen vermischten Sprechweise, die
auch in Bremen verstanden und - mit Abweichungen -
gesprochen wird. Ins Hochdeutsche übertragen heißt das: „Sie
sind doch aus Bremen, sagen Sie mal eben, kann man da
leben?“ Diese Frage hat sich den meisten Bewohnern von
Bremen nie gestellt.
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Es scheint aber, dass die Anziehungskraft dieser Stadt auf
Fremde nicht erst ein Merkmal unserer Tage ist. Wie anders
sollte man einen Spruch verstehen, den ein gewisser Meister Servaes im Jahre 1562 dem Schlüsselwappen über dem Herdentor
hinzufügte: „Bremen sei bedächtig, lass nicht mehr ein als
du bist ihrer mächtig.“ Die Furcht vor zuviel Fremden, die
ja nicht wieder weggingen, wenn sie in der Stadt erst einmal
Fuß gefasst hatten, mag wohl hier dem Steinmetz auf Weisung
des Rates die Hand geführt haben. Es kamen damals allerdings
auch noch innenpolitische Wirren hinzu, entstanden durch
religiöse Streitigkeiten, die eine Mahnung zu mehr
Bedächtigkeit ratsam erscheinen ließen.Das Herdentor steht nicht
mehr. Aber der Ratschlag Bremen sei bedächtig ist zu
einem geflügelten Wort geworden und zu einer
Charakterisierung des Bremers schlechthin. Dieses Bedächtige
bestimmt bis zum heutigen Tag das Klima in Bremen, und wenn
es etwas gibt, dass einen hier hält, dann ist es neben
vielen schönen Merkmalen dieser Stadt vor allem die freie
Luft, die einer in Bremen atmen kann, die Toleranz ist es,
die hier geübt wird gegenüber Andersdenkenden. Sie gedeiht
auf dem Boden der Bedächtigkeit und der Besonnenheit.
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