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Nach dem ganz einfachen Rezept:
„Gut, aber viel und deftig,
der Zeit entsprechend und kräftig!“
kann man den Geschmack des Bremers und
Mutters Küchenfahrplan sehr gut am Kalender verfolgen. Das
gibt einen immerwährenden Kalender mit höchstens
Wetterbedingten Abweichungen. Über den Geschmack braucht man
mit einem Bremer nicht zu streiten, denn der Geschmack ist
einfach und eindeutig: „Vom Guten das Beste!“ Nicht nur,
dass jede Jahreszeit ihre typischen Gerichte hat. Man kann
sie sogar fast monatlich zuordnen. Die Feiertage passen sich
da ganz von selbst mit ein.
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NOVEMBER: Dann hat der Kohl schon
ersten Frost über sich ergehen lassen, und man ist
„richtig jipperig“ auf Braunkohl und Pinkel, so
recht vollkommen mit den schwerwiegenden Zutaten wie
Plattenweise frischen und geräucherten Bauchspeck,
Kasseler und Kochwurst. Ganz perfekt ist es mit
hausgemachter Pinkel, für die jede Bremer Hausfrau sich
an ihr eigenes Mischrezept hält. Traditioneller Auftakt
dafür ist der Buß- und Bettag. Was kann man in der
trüben Novemberzeit sonst besser tun als eben essen?
- DEZEMBER:
ist Backzeit. Zum Advent gibt es selbstgebackene
Krapfen, also „Schmalzgebackenes“. Neben dem
vielen weihnachtlichen Kleingebäck muss der Bremer
Klaben früh genug zusammengeknetet werden, damit er
bis zum Fest ausreichend abgelagert ist. An den
Feiertagen ist dann so recht „Vullbuuks-Obend“ mit
Puter- oder Gänsebraten, vielleicht „Karpfen blau“,
der aber auch zu Sylvester „dran ist“.
- JANUAR:
ist weiterhin Kohlzeit und Hauptmonat für die hier so
beliebten „Kohlfahrten“. Ein Kohlstrunk, die so
genannte „Oldenburger Palme“, gehört dabei zur
äußerlichen Ausschmückung der wander- und trinkfreudigen
Gesellschaft. Damit es nicht immer nur Kohl ist, kann
man auf ein anderes deftiges Traditionsgericht
umsteigen, den Labskaus nach Semannsart. Der wird
bereitet aus Pökelfleisch, Kartoffeln und Zwiebeln; an
Zutaten gibt es Rote Beete, Gurke, Salzhering und
Spiegelei obendrauf. Das gibt aber Durst!
- FEBRUAR:
ist Miesmuschelzeit. Das jeweils spezielle
Hausgeheimnis ist die Würzung und das Abschmecken des
Suds, in dem die Muscheln gegart worden sind. Als
typisches Wintergericht gilt auch der deftige Eintopf „Irish
Stew“ aus Weißkohl mit Hammelfleisch (notfalls mit
Rindfleisch) und Kartoffeln, mit Kümmel gewürzt. Und als
Fastnachtsgebäck werden Heißwecken gereicht, die
man hier „Hedwigs“ nennt. In der Beliebtheit etwas außer
Kurs geraten ist der Steckrübeneintopf mit
Schweinebauch, kurzum die „Oldenburger Ananas“.
- MÄRZ:
ist schon recht österlich und soll ja
Sprichwörtlicherweise auch schon sieben Sommertage
bringen. Als Nachlese im Gemüsegarten finden sich an den
stehen gebliebenen Braunkohlpflanzen die Triebe des
jungen „Sprossenkohl“. Und als Osteressen ist
Lammbraten beliebt = „Osterlamm“.
- APRIL:
Mit seinem wetterwendischen Gepräge lässt dieser Monat
bei Schauerwetter, den so genannten „Stint-Schauern“,
die Weser-Stinte in Scharen herbeikommen. Früher
wurden die am Anleger an der Weser direkt beim
Fischermann eimerweise gekauft. Als Bratfisch eine
herrliche Gaumenfreude! Dann fahren auch die Granat-Fischer
wieder raus, und die „Puhlerei“ steht wieder den ganzen
Sommer lang auf dem genüsslichen Arbeitsplan. Zu
Großvaters Zeiten wurden dann Kiebitzeier und
Möweneier als Besonderheit verzehrt. Die sollen aber
recht streng und ein wenig tranig geschmeckt haben.
- MAI:
bringt mancherlei. Im Garten gibt es die ersten jungen
Rüben, die so genannten Mairübchen. Der erste
frische Rhabarber kann gezupft werden. Die Fischer
bieten Maischollen an. Die Brauereien kommen
(allerdings schon im April) mit Maibock heraus;
und als besonderes Hausrezept versteht sich das Ansetzen
des „Maitranks“, einer Weißweinbowle mit
Waldmeistergeschmack.
- JUNI:
setzt das im Mai Begonnene fort und ist die hohe Zeit
für die vielen Spargelgerichte. Die klassische
Darbietung ist Spargel mit Schinken, der
möglichst aus dem Schinkenmittelstück, dem so genannten
„Papenschnitt“ kommen soll. Dazu gibt es neue
Kartoffeln, Buttersoße und Rührei. Bis „Johanni“
dauert dieser Spaß an. Dann darf kein Spargel mehr
gestochen und kein Rhabarber mehr gezupft werden.
Ähnlich wie im Winter die Kohlfahrten, werden im Juni
die „Schinken-Touren“ gemacht.
- JULI:
bringt die frisch angelandeten jungen Matjes, die - kurz
gewässert - „auf der Zunge zergehen“ müssen und zu denen
ebenfalls neue Kartoffeln gehören. Pellkartoffeln und
Hering mit Speck- und Zwiebelstippe, da „kann man
sich an pflegen“! - „Dat mag Tölke vonn‘n Neenlanne ok,
un de is man wat lecker!“
- AUGUST:
ist die Zeit der lustigen Garten- Partys und der
Lampiongeschmückten Sommerfeste. Heute heißt das „Grill-time“:
Würste, Schnitzel, Steaks und sonst allerlei „Kurzgebratenes“
verbreiten liebliche Düfte, die dann nicht der
Umweltverschmutzung zugerechnet werden. Wer es besonders
üppig gestalten will, der serviert seinen Gästen einen
Spanferkel-Braten, entweder vom Spieß oder aus
der Bratröhre. - Man kann sich aber auch gütlich tun an
einem zünftigen Eintopf aus - Selbstangebauten - dicken
Bohnen, die sinnigerweise „Saubohnen“ oder „Pferdebohnen“
heißen und zu denen angeschmorte Bauchspeckwürfel
gegeben werden.
- SEPTEMBER: Die eben genannten Speckwürfel
werden auch über gekochte Birnen gegeben, die zusammen
mit Kartoffeln gekocht als „Birnen mit Speck“
wieder eine Bremer Spezialität sind. Wenn der
leuchtendgelbe Kürbis ausgereift ist, gibt es zur
Einmachzeit nicht nur süß-sauren Kürbis, sondern auch
frischgebackenes Bremer Kürbisbrot, das - dick
mit Butter bestrichen - eine Kuchenmahlzeit voll
ersetzen kann.
- OKTOBER:
reizt wie der September noch einmal zur Ausfahrt in die
Umgebung (weserabwärts), um „Aal satt“ zu
verzehren. Das ist Brataal in sagenhaften
Portionen mit Kartoffeln und Bohnensalat. (In allen
Monaten mir „r“.) Weil man „mit den Fingern essen“ muss,
bleibt zum nachherigen Händereinigen nur das Abreiben
mit klarem Korn. In diesen Monat fällt die traditionelle
fünfte Bremer Jahreszeit“, nämlich der Bremer Freimarkt
(„denn in Bremen is Freimaak!“). Da werden Unmengen von
Würstchen und Fischbrötchen verzehrt und
Tütenweise kleine Schmalzkuchen sowie heiße Berliner
und Victorias mit Schlagsahne verdrückt. - Wie
man das alles gut verträgt? - Ganz einfach: Zur
Verdauung einen oder am besten mehrere „steife“
Grogs (so‘n beeten recht nördlich) dagegensetzen.
- Und damit wären wir in dieser
Betrachtung schon wieder am Ausgangspunkt angelangt. (Es
gibt noch viel mehr Bremer Spezialitäten.) Doch bis zum
nächsten Wechsel lässt sich die Zeit mit Grog durchaus
überbrücken. Darum: „Lat Di man smecken!“
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