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 :: Kohl und Pinkel-Fahrten...




 


Die Küche im Bremischen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie deftig ist  - und als deftig sogar von Bayern empfunden wird, die ja in ihrer eigenen Küche auch nicht gerade zimperlich sind.

 

 


Der Hang zu derart beschaffenden kulinarischen Genüssen, die „een beeten good un een beeten veel“ (ein bisschen gut und ein bisschen viel) sein müssen, wobei die Menge nur aus einem natürlichen Schamgefühl heraus an zweiter Stelle genannt wird, tatsächlich aber vorne an stehen müsste, der Hang also zu diesen Essens-Freuden hat sich über Generationen hinweg entwickelt und zwar aus Notwendigkeit; denn im Bremischen sind die Winter lang, und wenn es auch gewiss kältere Gegenden gibt in der Welt, so dringt doch die kalte Feuchtigkeit der Luft durch alle Ritzen, und es empfiehlt sich, die Wärme des Ofens oder der Ölheizung durch eine gehörige Kalorienzufuhr zu unterstützen.

 

 


Und wenn hier so ausführlich vom Winter und den Erfordernissen einer Wärmezufuhr die Rede ist, dann wird der Kundige schon ahnen, wohin das führt: Zu Kohl und Pinkel. Kohl und Pinkel ist die Nationalspeise der Bremer schlechthin und auch die Bremerhavener können sich der Köstlichkeit dieses Gerichtes längst nicht mehr entziehen.

Im Grunde ist es nichts weiter als ein Grünkohlessen, wobei hinzugefügt werden sollte, dass die Bremer den Grünkohl als Braunkohl bezeichnen, was auf den einst vorzugsweise angebauten Langkohl zurückzuführen ist, der tatsächlich eine bräunliche Farbe aufwies. Inzwischen wird mit dem Grünkohl eine etwas niedriger wachsende Kohlsorte angebaut, dem alten Namen aber sind die Bremer treu geblieben.
 

 


Der Kohl ist natürlich nur ein Teil des Gerichtes, zu dem Kassler Rippenspeer, Kochwurst, geräucherter Bauchspeck und eben Pinkel gehören. Pinkel ist eine Art Grützwurst, die aus sehr viel Speck, Zwiebeln, Hafergrütze und allerlei Gewürzen besteht und in den Pinkeldarm des Rindes gestopft wird. Es ist eine sehr fette Angelegenheit, und Bremer, die auf sich halten, kochen den Kohl mit je einer aufgeschnittenen Pinkel pro Person, damit er so richtig geschmeidig wird, und selbstverständlich wird dann darüber hinaus noch eine Pinkel auf den Teller gelegt. Ergänzt wird das Gericht durch Salzkartoffeln. Auf der traditionsreichen Schaffermahlzeit, die ja schon seit 1545 gegeben wird, gibt es - der damaligen kartoffellosen Zeit entsprechend - auch noch Maronen. Zum Kohl werden im allgemeinen klarer Schnaps und Bier getrunken.

 

 


Die Kohl- und- Pinkel- Zeit wird in Bremen ganz allgemein am Buß- und Bettag eröffnet, und damit beginnt auch die Zeit der Kohlfahrten. Dabei handelt es sich um vergnügliche Ausflüge, die stets mit einer Wanderung beginnen, von sehr viel Schnaps begleitet, und mit einem Kohlessen enden, an dessen Schluss die Krönung des Kohlkönigs steht: Das ist immer diejenige Person, die, nach den Ermittlungen einer sehr strengen Jury, am meisten gegessen hat. Jeder Bremer unternimmt in jedem Winter mehrere Kohlfahrten, weil sich kaum eine Familie und kaum ein Freundeskreis eine solche Veranstaltung entgehen läst.

 

Die Kohlzeit geht Ende Februar zu Ende.