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Heutzutage wissen nur noch die wenigsten, dass einmal
Fahrzeuge mit dem Namen „Borgward“ produziert wurden. Und
kaum einer weiß, dass es sich dabei um den viertgrößten
Automobilkonzern Deutschlands gehandelt hat, mit Sitz in
Bremen.
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Carl Friedrich Wilhelm Borgward, 1890 in Hamburg geboren,
absolviert eine Schlosserlehre und besucht anschließend die
höhere Maschinenbauschule in Hamburg. Anschließend verbringt
er zwei Jahre in Hannover und besucht dort „nebenbei“ die
dortige Technische Hochschule. Als 22jähriger kommt er nach
Bremen, um eine Stellung anzutreten. Zwei Jahre später
erhält ein Angebot aus Berlin, aber nur wenige Monate später
brach der Krieg aus und Carl Borgward wird zu den Pionieren
nach Hamburg versetzt. 1916 wird er nach einer Verwundung
aus dem Militärdienst entlassen und kehrt nach Bremen
zurück, das seiner Heimatstadt gegenüber einen in seinen
Augen riesigen Vorteil hat: es gibt hier eine eigene
Automobilindustrie!
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Den weiteren Werdegang hier detailliert wiederzugeben würde
den verfügbaren Rahmen sprengen. Nur soviel in Kürze: in
einer eigenen Firma, die Kühler für Automobile herstellt
(unter anderem für „Hansa-Lloyd“) entwickelt Borgward den
„Blitzkarren“, das erste dreirädrige Transportfahrzeug. Die
Nachfolgekonstruktion trägt den Namen „Goliath“ und ist
damit Namenspate für die 1928 vorgenommene Umfirmierung in
„Goliath-Werke Borgward & Co. GmbH“.
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Die Nachfrage nach Borgwards Lieferwagen wächst und wächst,
sodass die Produktionsräume bald wieder zu klein werden.
1929 übernimmt Borgward die Hansa- Lloyd- Werke und bringt
das kränkelnde Unternehmen gründlich auf Vordermann. 1934
stellt Borgward mit dem „Hansa 1100“ das erste „richtige“,
von ihm entwickelte und gebaute Auto vor. Dieser Typ wird
bis zum Kriegsausbruch 1939 produziert, dann muss Borgward
„kriegswichtige Güter” produzieren. Das macht Borgwards
Produktionsanlagen natürlich zu einem wichtigen Ziel für die
alliierten Bomberverbände. 1945 sind 75% der
Produktionsanlagen zerstört, Borgward wird als
„“Kriegsverbrecher“ in einem Lager interniert. Schon 3 Jahre
später wird er wieder entlassen und seine Werke nehmen die
Produktion wieder auf. Zunächst nur Lastwagen, die werden
auch dringend für die Aufräumarbeiten benötigt. Mit
mittlerweile 58 Jahren fängt er wieder ganz von vorne an,
konstruiert und baut wieder Personenwagen - was er schon
sein ganzes Leben lang wollte. Am 13.10.1949 läuft die erste
deutsche Neukonstruktion, der „Hansa 1500“ vom Band, ein
Wagen für die gehobene Mittelschicht. Nur wenig später
produzieren seine Lloyd-Werke mit dem Lloyd LP 300 einen
Kleinwagen, der für viele das erste Auto ist und als
„Leukoplastbomber“ vielen in Erinnerung geblieben ist. Bis
1954 erweitert Borgward konsequent das Betätigungsfeld
seiner Betriebe. Nutzfahrzeuge, Personenwagen, Sportwagen
und Prototypen, die Rekorde bei Dauerbelastungstest und
Geschwindigkeitsfahrten aufstellen und Rennerfolge
einfahren. Dann wird der „Hansa 1500“ überarbeitet bzw.
bekommt neben vielen technischen Neuerungen und einem neuen
Aussehen auch einen neuen Namen, der für viele das Synonym
für schöne Autos ist: „Isabella“. Besonders die
Coupé-Version, ab 1957 produziert, ist nach wie vor
unerreicht. Das Isabella-Coupé mit der Fahrgestellnummer 002
schenkte Carl Borgward seiner Frau, die es ihrem Enkel Eric
vererbte, der es noch heute besitzt. Doch warum gibt es die
Borgward-Werke heute nicht mehr?
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Eine wirklich befriedigende Antwort auf diese Frage kann
keiner geben. 1960 geraten die Borgward-Werke in finanzielle
Schwierigkeiten. Der Exportmarkt, in erster Linie die USA,
tendiert rückläufig, was Borgward mit einem Export-Anteil von
über 63% besonders hart trifft.
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Amerikanische Großunternehmen bieten Borgward dennoch
gewaltige Summen. Die Chrysler-Corporation bietet dem
70jährigen Alleinunternehmer 200 Millionen DM. Selbst nach
Abzug aller Verbindlichkeiten könnte Borgward danach noch als
Multimillionär weiterleben. Aber er lehnt alle Angebote ab.
Jetzt rächt es sich, dass er nie Rücklagen
gebildet sondern alle Gewinne (die nie sonderlich groß waren)
in neue Entwicklungen gesteckt hat. Im November 1960 tritt er
erstmalig (!) mit einer Bank in Verbindung, um Kredite für
seine Unternehmen aufzunehmen.
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Am 30. Januar erfährt Borgward jedoch aus der Tagesschau, das
er angeblich zahlungsunfähig ist. Tags darauf steht in der
„Bild-Zeitung“, das die Borgward-Werke außer den Lohnzahlungen
keine weiteren Zahlungen leisten können.
Aufsichtsratvorsitzender einer staatlichen (!)
Auffanggesellschaft soll ein Münchener Wirtschaftsberater
werden, der zuvor schon die BMW-Werke (Borgwards ärgster
Konkurrent) saniert hat. Carl Borgward weiß von alledem
nichts. All dieses wurde zuvor nie mit ihm besprochen. Aber
jetzt geht es Schlag auf Schlag. Wer will sich denn jetzt noch
einen Borgward kaufen ? Die Zeitungen übertreffen sich
gegenseitig mit Negativ-Schlagzeilen, einzig und allein der
Bremer Senat kann Klarheit in die verworrene Lage bringen und
die Borgward-Werke, größter Arbeitgeber der Stadt, damit
retten. Der Bremer Senat aber schweigt. Es folgt die
Liquidation, aus dem Erlös werden restlos alle ausstehenden
Forderungen komplett beglichen. Ist das ein Konkurs? Der
Münchener Wirtschaftsprüfer ist gleichzeitig
Aufsichtsratvorsitzender bei BMW. Haben darum die wenig später
von der BMW-Tochter Glas gebauten Wagen soviel Ähnlichkeit mit
Borgwards letzten Konstruktionen? Auf dem ehemaligen
Borgward-Werksgelände in Bremen- Sebaldsbrück produziert heute
Mercedes-Benz. Auch dies nur ein Zufall?
Dr. E. hc. Carl Friedrich Wilhelm Borgward
erleidet während der Demontage seiner Werke am 28.07.1963 eine
Herzattacke und stirbt an ihren Folgen. Geblieben sind uns
seine Fahrzeuge.
Eine detaillierter Geschichte
der Borgward-Werke kann
hier
nachgelesen werden.
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